Mietwagenkosten bis zur Haftungsbestätigung???
Mietwagenkosten bei verzögerter Reparaturfreigabe: Wann ist auch die Wartezeit zu erstatten?
Auch die Zeit bis zur Kostenübernahme kann zum erstattungsfähigen Mietwagenzeitraum gehören. Im von BRE – Burkard Rechtsanwälte geführten Verfahren vor dem Amtsgericht Bad Sobernheim wurden der Geschädigten weitere 23 Mietwagentage zugesprochen. Damit war zusammen mit der vorgerichtlichen Zahlung die gesamte Rechnung für 46 Tage abgedeckt. Ausschlaggebend waren die nachgewiesene fehlende Vorfinanzierungsmöglichkeit, ein frühzeitiger Warnhinweis und die bewiesene Absprache, trotz unterschriebenen Auftrags zunächst die Kostenübernahme abzuwarten. Ein allgemeines Recht, jede „Freigabe“ beliebig lange abzuwarten, folgt daraus nicht.
Was wurde konkret durchgesetzt?
Die Geschädigte nutzte vom 23. Dezember 2024 bis zum 6. Februar 2025 einen Mietwagen. Die Rechnung belief sich auf 3.357,75 Euro. Die Gegenseite erkannte lediglich 23 Tage an und zahlte 1.678,88 Euro. Das Amtsgericht sprach mit Urteil vom 2. Oktober 2026 auch die verbliebenen 1.678,87 Euro zu, zuzüglich Zinsen. Die Beklagte trägt die Kosten des Rechtsstreits.
Damit wurden die Mietwagenkosten insgesamt vollständig durchgesetzt. Gegenstand des Urteils war allerdings nur der noch offene Teilbetrag.
Warum half der unterschriebene Reparaturauftrag der Gegenseite nicht?
Die Gegenseite berief sich auf einen bereits am Unfalltag erteilten Reparaturauftrag. Dieser sei unbedingt erteilt worden und stehe deshalb im Widerspruch zum späteren Hinweis, die Geschädigte könne die Reparatur nicht vorfinanzieren.
Das Gericht prüfte jedoch nicht nur das Formular, sondern die tatsächliche Vereinbarung. Nach der Beweisaufnahme stand für das Amtsgericht fest, dass mit der Werkstatt besprochen war, zunächst die Kostenübernahme abzuwarten. Die Unterschrift bedeutete daher gerade nicht, dass unabhängig von der Finanzierung sofort mit der kostenpflichtigen Instandsetzung begonnen werden sollte.
Darin liegt ein wichtiger Unterschied für die Schadenabwicklung: Reparaturabsicht, unterschriebener Auftrag und vereinbarter Beginn der Ausführung sind nicht automatisch dasselbe. Wer sich auf eine entsprechende Absprache beruft, sollte sie allerdings auch konkret darlegen und im Streitfall beweisen können.
Welche Rolle spielten die Finanzierung und der Warnhinweis?
Die fehlende Möglichkeit zur Vorfinanzierung blieb im Prozess keine bloße Behauptung. Das Gericht stützte seine Überzeugung auf vorgelegte Kontoauszüge und die Angaben der Geschädigten bei ihrer persönlichen Anhörung.
Bereits am 20. Dezember 2024 und damit vor Beginn der Anmietung hatte die anwaltliche Vertretung einen Warnhinweis unter Bezugnahme auf § 254 Abs. 2 BGB und die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs übermittelt. Das Amtsgericht hielt diesen Hinweis unter den konkreten Umständen für ausreichend. Eine ausdrückliche Vorschussanforderung verlangte es hier nicht.
Der rechtliche Ausgangspunkt ist keine Sonderregel dieses Amtsgerichts: Grundsätzlich muss der Schädiger die Schadenbeseitigung finanzieren. Eine allgemeine Obliegenheit des Geschädigten, eigene Mittel einzusetzen oder einen Kredit aufzunehmen, besteht nicht. Ausnahmen nach Treu und Glauben bleiben möglich. Ebenso besteht grundsätzlich keine Pflicht, zur Verkürzung der Ausfallzeit die eigene Kaskoversicherung einzuschalten (BGH, Urteile vom 18.02.2020 – VI ZR 115/19 und vom 17.11.2020 – VI ZR 569/19).
Für die Praxis empfiehlt sich dennoch ein möglichst konkreter Warnhinweis: Warum kann die Reparatur nicht vorfinanziert werden? Welche Auswirkung hat das auf den Reparaturbeginn? Welche weiteren Mietwagenkosten drohen? Die Entscheidung sollte nicht als Empfehlung verstanden werden, sich stets auf eine abstrakte Standardformulierung zu beschränken.
Entfallen Mietwagenkosten während der Prüfungsfrist?
Die Gegenseite wandte außerdem ein, sie habe noch innerhalb der ihr zustehenden Prüfungsfrist reguliert. Das Amtsgericht unterschied zwischen zwei Fragen: Ab wann liegt Zahlungsverzug vor beziehungsweise besteht Anlass zur Klage? Und welche Unfallfolgeschäden sind zu ersetzen?
Aus einer angemessenen Prüfungsfrist folgt nach der Entscheidung nicht, dass der Geschädigte während dieser Zeit erforderliche Mietwagenkosten selbst tragen muss. Ebenso wenig begründet die Prüfungsfrist für sich genommen eine Pflicht zur Vorfinanzierung.
Das Gericht entschied damit nicht, dass stets eine bestimmte Zahl von Wochen abgewartet werden darf oder dass die Kostenübernahme im konkreten Fall bereits wegen Fristablaufs rechtswidrig verspätet gewesen sei. Entscheidend blieb, ob die verlängerte Ausfallzeit unfallbedingt und der Geschädigten eine vermeidbare Verzögerung vorzuwerfen war.
Warum war auch der weitere Reparaturablauf wichtig?
Nach der Kostenübernahme am 15. Januar 2025 bestellte die Werkstatt noch am selben Tag die benötigten Ersatzteile. Die eigentliche Reparatur begann am 23. Januar und endete am 6. Februar 2025. Das Gericht stellte keine vermeidbare Verzögerung nach der Kostenübernahme fest.
Der Begriff „Reparaturfreigabe“ darf hier nicht missverstanden werden: Es ging nicht darum, der Gegenseite ein allgemeines Recht zur Genehmigung der Reparatur einzuräumen. Ausschlaggebend war, dass die Finanzierung geklärt werden musste, bevor die vereinbarte Ausführung beginnen sollte.
Was sollten Werkstätten, Sachverständige und Unfallabwickler dokumentieren?
Für vergleichbare Fälle lassen sich fünf praktische Arbeitsschritte ableiten. Sie ersetzen nicht die Prüfung des Einzelfalls:
- Auftrag und Ausführungsbeginn unterscheiden: Was wurde unterschrieben, und welche zusätzliche Absprache galt für den Start der Reparatur?
- Finanzierung früh ansprechen: Fehlende Vorfinanzierungsmöglichkeiten der anwaltlichen Vertretung mitteilen und Belege für den Bestreitensfall sichern.
- Die Schadenentwicklung konkret anzeigen: Verzögerten Reparaturbeginn und drohende weitere Mietwagenkosten frühzeitig, nachvollziehbar und mit Zugangsnachweis mitteilen.
- Die zeitliche Abfolge festhalten: Gutachten, Kostenübernahme, Teilebestellung, Reparaturbeginn und Fertigstellung dokumentieren; zusätzliche Wartezeiten erklären.
- Widersprüche vermeiden: Angaben im Gutachten, Auftragsformular und Werkstattvermerk müssen die tatsächlichen Absprachen zutreffend wiedergeben. Ein bloßes Häkchen ersetzt keine Erläuterung.
Was lässt sich aus dem Urteil nicht ableiten?
Die volle Haftung war unstreitig. Die fehlende Vorfinanzierungsmöglichkeit und die Absprache mit der Werkstatt waren zur Überzeugung des Gerichts festgestellt. Der Warnhinweis erfolgte vor der Anmietung. Die Höhe der Mietwagenkosten war nicht streitig. Eine allgemeine Bestätigung bestimmter Mietwagentarife, eine verbindliche Obergrenze von 46 Tagen oder eine Erstattungszusage für jede Wartezeit enthält die Entscheidung deshalb nicht.
Auch die Obliegenheit zur Schadenminderung bleibt bestehen. Wer ohne nachvollziehbaren Grund zuwartet oder die Schadenbeseitigung vermeidbar verzögert, kann sich nicht allein auf dieses Urteil berufen.
Fazit: Nicht nur den Auftrag, sondern auch die Absprache dokumentieren
Der praktische Wert der Entscheidung liegt im Zusammenspiel von Finanzierung, Warnhinweis und Beweisführung. Die Gegenseite konnte die zusätzlichen Mietwagenkosten weder allein mit dem unterschriebenen Auftrag noch allein mit ihrer Prüfungsfrist abwehren. Für die Unfallregulierung zählt deshalb nicht nur, ob ein Auftrag vorliegt, sondern auch, was tatsächlich vereinbart und anschließend veranlasst wurde.
